Lamrim – der Stufenpfad zur Erleuchtung

Der erste Lamrim-Text „Die Lampe auf dem Pfad zur Erleuchtung“ wurde vor rund 1.000 Jahren vom herausragenden indischen Meister Atisha nach seiner Ankunft in Tibet für die Tibeter verfasst.

Später wurde der Lamrim auch von den anderen Schulen des tibetischen Buddhismus übernomen, z.B. in der Kagyu-Schule vom großen Meister Gampopa in seiner Schrift „Juwelenschmuck der Befreiung“.

Der Gründer der Gelug-Schule, Meister Je Lama Tsongkhapa, verfasste drei Lamrim-Texte: die „Große Darlegung des Stufenwegs“, die „Mittlere Darlegung“ und die „Essentielle Zusammenfassung des Stufenwegs“.

Die Lamrim-Tradition ist eine spirituelle Praxis der Geistesschulung mit aufeinander aufbauenden Übungsanleitungen. Jede Lehre, die der Buddha gegeben hat, ist in den Lamrim-Erklärungen enthalten. Somit ist diese Praxis ein vollständiges System von Erklärungen und Übungen, das zur vollkommenen Befreiung führt.

Themen der Lamrim-Übungen sind: Anvertrauen an den Lehrer, kostbare Menschengeburt, Tod und Vergänglichkeit, Zufluchtnahme, Karma und ethische Lebensführung, die Vier Edlen Wahrheiten, das Abhängige Entstehen, Mitgefühl und liebende Güte, Erleuchtungsgeist, die Praxis der Vollkommenheiten. An den Lamrim-Übungsabenden wird jeweils ein Thema hervorgehoben und besprochen und in der Meditation vertieft.

 

Buddhistische Tantra-Praxis

Die Tantras wurden von Buddha Shakyamuni und von erhabenen Wesen in verschiedenen Manifestationen, z.B. in der Form von Buddha Vajradhara, in der Erscheinungsform verschiedener Gottheiten spezieller Mandalas oder auch in der Erscheinungsform eines Mönchs gelehrt. In Bezug auf Entsagung, auf die Entfaltung des Erleuchtungsgeistes und auf die philosophische Sichtweise der Leerheit gibt es keine Unterschiede zwischen Sutra und Tantra. Wohl aber unterscheiden sich diese beiden Übungswege hinsichtlich des Verhaltens und hinsichtlich der Methode, das letztendliche Ziel, die Erleuchtung, zu verwirklichen.

Die Vereinigung von Methode und Weisheit sind die Grundlagen aller buddhistischen Traditionen. In der Tantra-Tradition wird jedoch der äußerst subtile Geist, das klare Lichtbewusstsein, die innewohnende Weisheit, in die Praxis eingebunden. Diese äußerst tiefen Schichten des Bewusstseins sind gewöhnlichen Menschen schwer zugänglich, daher gilt Tantra als besonders fortgeschrittene Praxis. Im Tantra übt man die vollkommenen reinen Sichtweisen eines erleuchteten Wesens, die dem Ziel der Praxis, dem Resultat, ähnlich sind. Wer sich an reine, glückselige Wahrnehmungen, gewöhnt, wird sein Handeln stärker von Mitgefühl und Weisheit leiten lassen und kann dadurch seinen Geist läutern.

Voraussetzungen für die Tantra-Praxis sind ein gutes Verständnis aller Themen, die im Lamrim gelehrt werden, wie Tod und Vergänglichkeit, Karma, die Vier Wahrheiten, Mitgefühl und Weisheit sowie die Initiation durch einen qualifizierten Meister. Das gute, vertrauensvolle Verhältnis zwischen Meister und Schüler/in ist im Tantra von grundlegender Bedeutung, da man bei schwierigen Meditationen erfahrene Führer braucht, um das angestrebte Ziel, die Läuterung des Geistes und die vollkommene Erleuchtung zu erlangen.